Mechatronik: Definition und Begriffsbestimmung
Adaptronik
Mechatronik
Mikrosystemtechnik
Adaptronik
Begriffen wie "smart materials", "smart structures" und "adaptive structures" entstanden Mitte der achtziger Jahre in den USA und Japan. Seit Beginn der neunziger Jahre hat sich für diese Begriffe in Europa und insbesondere in Deutschland der Oberbegriff Adaptronik etabliert, der die Selbstanpassungsfähigkeit in den Mittelpunkt stellt und darauf verzichtet, technischen Systemen oder Materialien Eigenschaften wie "smart" oder "intelligent" zuzuordnen.
Literatur zum Thema Adaptronik
Das Institut für Strukturmechanik beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR) definiert im
Leitprojekt Adaptronik den Begriff so:
"Adaptronik beschreibt den Technologiebereich zur Schaffung einer neuen Klasse sogenannter Intelligenter Strukturen. Dieses Konzept geht von der Entwicklung adaptiver Systeme aus, die sich über autonome, d. h. selbstregelnde Mechanismen an unterschiedliche Betriebsbedingungen anpassen. Voraussetzung dafür ist die systemoptimale Verknüpfung von Sensoren und Aktuatoren auf der Basis von neuen Funktionswerkstoffen wie z. B. piezokeramischen Fasern und Folien mit adaptiven Reglern. Sie übernehmen damit gleichzeitig tragende wie aktuatorische/sensorische Aufgaben und sind somit multifunktional."
Den Begriff des adaptiven Struktursystems definiert ebenfalls das
DLR:
"Neben geeigneten Sensorsystemen und Reglern sind es insbesondere in ausgesuchten Strukturkomponenten integrierte Aktuatoriksysteme aus thermisch, elektrisch oder magnetisch aktivierbaren Materialien (Piezoelektrika, Magnetostriktiva, elektrorheologische Fluide u. a.), mit deren Hilfe das Gesamtsystem in die Lage versetzt werden kann, sich selbstständig an wechselnde Bedingungen optimal anzupassen." Weiter heißt es dort:
"Adaptive Struktursysteme entsehen durch das Zusammenwirken mehrer wichtiger Teildisziplinen, von denen Strukturmechanik (inkl. Materialtechnologie und Leichtbau), Regelungstechnik, Sensorik und Aktuatorik mit ihren querschnittlichen, d. h. weitgehend systemunabhängigen Charakter von zentraler Bedeutung sind. (…) Im Gegensatz zu herkömmlichen Strukturen, in denen reglergestützte, aktive Elemente weitgehend als nachträglich eingebaute, sogenannte Reparaturlösungen eingesetzt werden, sind adaptive Struktursysteme dadurch gekennzeichnet, dass all ihr Teilsysteme von Beginn einer Strukturentwicklung an integrativ in den Entwicklungsprozess im Sinne einer Systemoptimierung einbezogen werden."
Nach
Jendritza (1998) leistet die Adaptronik
"einen Beitrag zur Optimierung von Produkten, indem sie diese kleiner, weniger komplex, leichter und leistungsfähiger macht. Insbesondere können ‚intelligente' Strukturen ihr Verhalten selbsteuernd in kurzer Zeit an wesendliche Betriebs- und Umweltbedingungen anpassen." Dabei schlägt die Adaptronik
"die Brücke vom Werkstoff zum System (intelligentes Produkt) und umfasst die Suche nach multifunktionalen Elementen, deren anwendungsspezifische Optimierung sowie die Integration in eine System oder eine Struktur."
Zu den Begriffen "smart" oder "intelligent" sagt
Jendritza (1998) Folgendes:
"Um einer Struktur, wie beispielsweise einem Tragflügel, ein Attribut wie "intelligent" oder "smart" zu verleihen, ist eine enge Kopplung an die Funktionalität sinnvoll. Eine Struktur sollte dann als intelligent bezeichnet werden, wenn alle Funktionsbausteine eines Regelkreises, also Sensoren, Aktoren, Steuerung sowie notwendigerweise ein Trägermaterial enthalten sind. Die Abgrenzung zum klassischen Regelkreis wird durch die Forderung gewährleistet, dass ein Element der Struktur mehrere Funktionen übernimmt. Im "intelligenten" Tragflügel würde z. B. eine CFK-Struktur mit eingelagerten PZT- oder FGL-Elementen neben der Funktion des "Tragens" auch die eines Aktors (variable Formgebung) übernehmen".
Weitergehende Informationen zur Adaptronik finden Sie auch in dem Buch
Adaptronics and Smart Structures. Basics, Materials, Design, and Applications.
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Mechatronik
Eine einheitliche Definition des Begriffs Mechatronik hat sich bis heute nicht herausgebildet. Ein Hauptgrund hierfür mögen die vielen Themenschwerpunkte- und Anwendungsgebiete, die unter diesem Begriff zusammengefasst werden. Dennoch existiert ein gemeinsames Grundverständnis von Mechatronik.
Eine recht allgemeine und zumindest in Deutschland verbreitete Begriffsbestimmung findet sich im
Kraftfahrtechnischen Taschenbuch: "
Mechatronik ist eine Ingenieurwissenschaft, die die Funktionalität eines technischen Systems durch eine enge Verknüpfung mechanischer, elektronischer und datenverarbeitender Komponenten erzielt."
Daniel J. Jendritza (1998) grenzt die Begriffe Adaptronik, Mechatronik, und Mikrosystemtechnik gegeneinander ab und gibt unter Bezug auf das Industrial Research and Development Advisory Committee der Europäischen Union folgende Definition: Die Mechatronik ist die "
synergistische Verknüpfung von Feinwerktechnik, elektronischer Steuerungstechnik und Systemtechnik zum Zwecke der Produktentwicklung und -herstellung. Die Mechatronik ist interdisziplinär, d. h. einerseits verbindet sie die genannten Bereiche, andererseits umfasst sie zusätzliche Komponenten, die ursprünglich zu keinem dieser Bereiche gehörte".
Eine sehr abstrakte und offene Definition gibt John Millbank von der University of Salford (nachzulesen in
Tonkinson u. Horn 1995: "
By definition, then, Mechatronics is not a subject, science or technology per se - it is instead to be regarded as a philosophy - a fundamental way of looking at and doing things, and by its very nature requires a unified approach to its delivery."
Als weiteres Merkmal wird weithin die räumliche und vor allem funktionale Integration eines mechanisch-elektrischen Systems angesehen, in dem Sensoren Signale aufnehmen, Prozessoren Informationen verarbeiten und Aktoren eingesetzt werden, um auf ein häufig mechanisches Grundsystem einzuwirken.

Grundstruktur mechatronischer Systeme (nach Wallaschek 1995, VDI-Berichte 1215)
Mit der voranstehenden Bestimmung ist auch der Begriff des mechatronischen Systems eingegrenzt. Ein mechatronisches System verfügt üblicherweise über eine mechanische Grundstruktur. Sensoren, die den Zustand dieser Grundstruktur und der Systemumgebung feststellen, leiten die Signale an eine informationsverarbeitende Einheit weiter. Dort werden die Sensorsignale aufbereitet und nach festgelegten Regeln Stellgrößen erzeugt. Aktoren schließlich nutzen diese Stellgrößen, um das Verhalten des mechanischen Grundsystems zu beeinflussen.
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